
Im Westen viel Neues: Die einen wollen Taylor, die anderen kommen mit Trump. Ein Jahr MAGA-Regierung lässt geopolitisch keine Fragen mehr offen. Spätestens die erste Woche des neuen Jahres hat sämtliche Zweifel ausgeräumt, was gerade ansteht: Radikal-nationalistische-Großmannssucht mit imperialen Zügen, angereichert mit rassistischen, homophoben und autoritären Bestrebungen.
Das Ganze begleitet von einem Spalier strammstehender Firmenchefs, die steueroptimiert und zügellos ihre Vorlieben für Geiz und Gier ausleben. Begleitet und bewundert von nicht wenigen, die genau jene Eigenschaften für erstrebenswert erachten und deren Verwirklichung sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten nur allzu gerne Vorschub leisten.
Wo bleibt der Aufschrei?
Wie und wo aber bleiben die Reaktionen jener Akteur*innen der Popkultur? Wo bleiben der Nachwuchs und die Erben jener gesellschaftlichen Modernisierung, für die einst Generationen von Hippies bis Punks - oder jene, die zuvor Genres wie Jazz, Blues, Bebop oder Rock’n’Roll zugetan waren - ihren Beitrag zum Werdegang des kulturellen Inventars westlicher und demokratischer Gesellschaften leisteten?
Zugegeben, es ist nicht gerade einfach, wenn sich reaktionäre und revisionistische Kräfte von langer Hand und bestens orchestriert vorgenommen haben, ihre antidemokratischen Vorstellungen mittels Populismus und Propaganda zu verwirklichen. Ihnen zur Seite stehen, wie gehabt, jene Befürwortenden konservativer Ideale, die geschichtsvergessen darauf hoffen, dass auch sie politisch auf ihre Kosten kommen. Wobei zu beachten ist, dass Konservatismus - gleich welcher Couleur - ein globales Phänomen ist.
Isolierte Proteste statt neuer Hymnen
Selbst auswärtige Popstars wie Duran Duran widmen der Verstorbenen einen Song bei einem Konzert in Sacramento, der Kanadier Neil Young kritisiert die US-Regierung auf seiner Webseite aufs Schärfste. Die US-Bürgerin Billie Eilish indes teilt via Instagram in Großbuchstaben mit „ENOUGH IS ENOUGH“.
Musikmagazine wie Rolling Stone, Billboard oder NME.com liefern dazu die begleitende Berichterstattung, während reguläre Nachrichtenmagazine kaum noch nachkommen, Meldungen über zahlreiche andere Begebenheiten mit politischer Bedeutung zu veröffentlichen.
Glaubwürdigkeit im Zeitalter der Gewinnmaximierung
Ohne Strategie gegen das Playbook der Autokraten
Die Illusion der Macht: Popstars vs. Oligarchen
Allen Ernstes heißt es unter anderem dazu in der Klageschrift unter Punkt 5: „Im Rahmen dieser Verschwörung setzten die Beklagten den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) als Waffe gegen X ein und nutzten den DMCA als Vorwand für ihre erpresserische Kampagne.“
Unbekannt ist, ob die KI-Applikation Grok des besagten Tech-Tycoons beim Verfassen der Klage mitgewirkt hat. Wozu diese allerdings noch so fähig ist, belegen die zahlreichen Berichte über nicht jugendfreie Deep Fake-Videos von Taylor Swift und anderen Popstars. Längst geht es um mehr als nur die Absage von Konzerten und Auftritten durch die Interpret*innen im kürzlich unbenannten Kennedy-Center in Washington aus Protest. Die Befürwortenden autoritärer Machtausübung wissen, was sie wollen und was sie tun. Auch sind ihre Geschäftspartner bekannt. Vielleicht eine Anregung dafür, dass es künftig größerer Anstrengungen bedarf, den Gleichgesinnten mit einer Vorliebe für Autokratie die Vorzüge der Demokratie mit mehr Verve zu verdeutlichen, als dies bislang der Fall war. Oder, frei nach Margo Price: “Don't Let the Bastards Get You Down”

